Tettnang

Tettnang

Tettnang

Kurze Geschichte der Stadt Tettnang

Tettnang liegt auf einem Hügelrücken 466 Meter über NN. und etwa acht Kilometer vom Bodenseeufer entfernt. Treffend wird die Stadt auch als „kleine Residenz“ bezeichnet, was dem heutigen Erscheinungsbild mit drei Schlössern ebenso entspricht wie der historischen Bedeutung der Stadt, deren Residenzcharakter als Sitz der Grafen von Montfort ihre Geschichte durch Jahrhunderte bestimmt hat.

Altes Schloss  heute als Rathaus genutzt

Altes Schloss heute als Rathaus genutzt

Im Jahre 882 wurde „Tetinanc“ erstmals urkundlich genannt, als ein Mann namens Cunzo seinen Besitz in Tettnang dem Kloster St. Gallen veräußerte. Der Name des Ortes setzt sich aus dem seines Gründers Tetto und „wang“ als Bezeichnung für ein Feldstück zusammen. Das ursprüngliche Dorf befand sich vermutlich im Bereich zwischen der Pfarrkirche und dem Bärenplatz. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bauten die Grafen von Bregenz in der Nähe des Dorfes Tettnang eine Burg an der Stelle des heutigen Neuen Schlosses, auf der 1154 ein Graf Cuno saß.

Bei der zweiten Teilung des Hauses Montfort 1268 fiel Tettnang an Graf Hugo III. Im Gegensatz zu seinen Brüdern, die mit Bregenz und Feldkirch ansehnliche Städte erhielten, fand er nur ein kleines Dorf vor. Konsequent betrieb er die Gründung und den Ausbau der Stadt. Die dabei entstandene Stadt bestand zunächst nur aus zwei Häuserreihen, die sich vom Dorf bis zur Burg erstreckten. Am 1. Dezember 1297 erwirkte Hugo III. für Tettnang von König Adolf von Nassau die Stadtrechte. Diese wurden 1304 erneuert, gleichzeitig erhielt Tettnang das Marktrecht. Im Jahre 1330 erwarb Graf Wilhelm II. das Befestigungsrecht für die Stadt.

Tettnang wurde von einem gräflichen Ammann mit Bürgermeister und Rat verwaltet. Die Bürger erhielten im 14. Jahrhundert zahlreiche Privilegien und konnten sich 1578 von der Leibeigenschaft freikaufen. Die Burg, die 1323 einer Belagerung durch Leopold von Österreich standgehalten hatte, brannte 1488 ab. Im Dreißigjährigen Krieg setzten die Schweden die Burg und den größten Teil der Stadt in Flammen. Von 1.300 Pfarrkindern überlebten die Pest nur 150 Personen.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Reichsstädte Ravensburg, Buchhorn, Lindau und Wangen konnte sich Tettnang nicht entfalten und blieb eine bescheidene Provinzstadt, allerdings stark geprägt durch die Bautätigkeiten der Grafen von Montfort. Der Bau des Neuen Schlosses 1712-1720 und dessen Instandsetzung nach dem Brand von 1753 trieb die Grafen in die Hände ihres Gläubigers, des Hauses Habsburg, das im Jahr 1780 die Grafschaft Montfort mit der Stadt Tettnang übernahm.

Altes Schloss  heute als Rathaus genutzt

Neues Schloss

Im Pressburger Frieden vom 27. Dezember 1805 musste Österreich neben anderen Gebieten auch Tettnang an Bayern abtreten. Durch den Pariser Vertrag vom 18. Mai 1810 kam die Stadt an das Königreich Württemberg. Im Jahre 1823 zählt Tettnang 1.315 Einwohner, darunter erstmals auch 15 Einwohner evangelischer Konfession. Nicht ganz ohne Grund wird Tettnang in der Oberamtsbeschreibung von 1838 als „eines der geringeren Städtchen in Oberschwaben“ bezeichnet.

Nach dem Brand der Neugasse 1849 wurde eine neue Straße nach Friedrichshafen angelegt, benannt nach dem württembergischen König Karl. Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch rege Bautätigkeit: 1858 Abbruch und Neubau des Kirchenschiffs von St. Gallus, 1884/86 Bau des Bezirkskrankenhauses, 1895 Bahnhof und Lokalbahn nach Meckenbeuren, sowie die Errichtung vieler Bürgerhäuser. 1895 hatte die Stadt 2.492 Einwohner. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verändert sich am Stadtbild wenig. Ab den 1950er Jahren entstanden viele neue stadtnahe Wohngebiete (St. Anna, Bürgermoos, Oberhof, Schäferhof, Hoher Rain), die Stadt dehnte sich immer weiter aus und auch das Schulzentrum auf dem Manzenberg entstand.

Altes Schloss  heute als Rathaus genutzt

Torschloss

Im Zuge der Baden-Württembergischen Verwaltungsreform 1972 verlor Tettnang den Sitz der Kreisverwaltung, wurde allerdings 1972/75 durch die Eingemeindungen der ehemals selbständigen Gemeinden Langnau und Tannau und die Angliederung von Kau zur flächengrößten Gemeinde des Bodenseekreises. Heute leben in Tettnang über 18.000 Einwohner.

Tettnang blieb bis zum Zweiten Weltkrieg ein von ländlicher Struktur geprägtes Gemeinwesen. Auch heute noch sind der Obstbau und der seit 1844 betriebene Hopfenanbau von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Darüber hinaus wurde das Handwerk ausgeweitet, das schon seit Jahrhunderten in Tettnang heimisch war. Entscheidende Wachstumsimpulse gelangen mit der Ansiedlung eines ersten Elektronik-Betriebes 1956 und der Gründung der Elektronikschule 1964. Heute zählt die Elektronikindustrie in Tettnang mit über 2.000 Arbeitsplätzen in mehreren mittelständischen Unternehmen zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt.

Kau

Kau

Kau

Kau ist eine der jüngsten Siedlungen in unserer Gegend. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde aus dem nördlichen Tettnanger Wald ein Platz herausgehauen, um einen Hof zu errichten. Dieser wird um 1700 als Montfortischer Lehnshof bezeichnet. Von der Rodetätigkeit abgeleitet, hieß der Wohnplatz zunächst „das Gehau“, woraus sich später über „G’hau“ die heutige Bezeichnung Kau entwickelte. Zwischen 1720 und 1730 ließen sich 18 Seldner, meist Weber, in Kau nieder. Kau gehörte zum Montfortischen Landwaibelamt und wurde nach dem Übergang an Württemberg der Gemeinde Meckenbeuren zugeteilt.

1937 kam Kau zur neu gebildeten Gemeinde Kehlen und mit dieser am 1. Mai 1972 wieder zu Meckenbeuren. Eine Vielzahl Kauer Bürger strebte jedoch die Umgliederung nach Tettnang an und erwirkte eine Bürgeranhörung, in der sich am 12. Januar 1975 die stimmberechtigten Bürger mit denkbar knapper Mehrheit von 251 zu 234 Stimmen für den Anschluss an die Montfortstadt aussprachen. Daraufhin verordnete das Innenministerium die Umgliederung der Orte Kau, Pfingstweid, Walchesreute, Motzenhaus und des Gehöfts Probst nach Tettnang mit Wirkung zum 8. Mai 1975. Kau wurde Ortschaft mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher innerhalb des Gesamtstadtverbandes Tettnang.

Altes Bauenhaus in Kau
Wappen der Stadt Tettnang

Wappen der Stadt Tettnang

Aus dem frühen 15. Jahrhundert sind die ersten Stadtsiegel von Tettnang erhalten, und bereits diese zeigen einen Hund als Wappentier. Das Wappen der Stadt zählt damit zu den ältesten kommunalen Wappen im Bodenseekreis (Abb. 1). Allerdings ist es auch eines der wenigen im Lande, dessen Herkunft und Bedeutung bis heute nicht überzeugend geklärt werden konnte.

Der älteste Beleg für den Gebrauch eines Tettnanger Stadtsiegels zeigt eine Urkunde aus dem Jahre 1409. Der Siegelabdruck misst 31 mm im Durchmesser, zeigt einen Hund im Wappenschild und trägt die Umschrift „S.CIVIUM DE TETTNAG“ (Siegel der Bürger von Tettnang) (Abb. 2).

Wappen der Stadt Tettnang
(Abb. 1)

Wappen- und Siegelforscher sind der Meinung, dass das Siegel selbst älter ist und der Stadt bereits in der 2. Hälfte des 14. Jh. von Graf Heinrich IV. von Montfort (1354 – 1408) verliehen wurde. Weitere Stadtsiegel aus den Jahren 1493, 1563, 1589 und 1669 zeigen ebenfalls den Hund, allerdings bei leicht geänderter Siegelumschrift.

Das Wappentier, ursprünglich als aufspringender Bracke mit hängenden Ohren dargestellt, wechselte seit dem 18. Jahrhundert mehrmals seine Gestalt (Abb. 3).

Tettnanger Siegel von 1409
(Abb. 2)

Zeitweise als Windhund (Abb. 4), manchmal nicht „schwebend“, sondern auf einem Schildfuß dargestellt (Abb. 5) und im ausgehenden 20. Jh. sogar häufig als Dackel verunstaltet (Abb. 6), orientiert sich das Wappentier in jüngster Zeit wieder richtigerweise an den ältesten Vorlagen, ähnlich der Form, die der große Heraldiker Otto Hupp in seinem Sammelwerk Deutsche Ortswappen 1928 gewählt hat (Abb. 7). Da in dem Wappen der Montfortstadt Tettnang ein direkter Bezug zu dem Grafengeschlecht fehlt, wird heute oft versucht, durch Anordnung einer Montfortfahne zwischen den Vorder- und Hinterläufen des Hundes oder durch Anordnung eines zweiten Wappenschildes diesem Mangel zu begegnen (Abb. 6). Derartige Abbildungen sind jedoch nicht korrekt.

Deutsche Ortswappen 1928
(Abb. 7)
(Abb. 3)
(Abb. 4)
(Abb. 5)
(Abb. 6)

Von Heraldikern und Heimatforschern wurden schon zahlreiche Versuche unternommen, Ursprung und Bedeutung des Tettnanger Wappens zu ergründen, stets ohne schlüssigen Beweis. Sicher erscheint nur eines: Das Wappen wurde der Stadt entsprechend der damaligen Praxis vom regierenden Grafen des Hauses Montfort verliehen. Fest steht auch, dass der Hund für die Montforter eine besondere Bedeutung hatte: Einige der ältesten so genannten Reitersiegel der Grafen zeigen neben dem geharnischten Ritter zu Pferde einen springenden Hund (Abb. 8).

Auch auf den Grabmalen von drei Grafen ist zu Füßen des Verstorbenen ein Hund dargestellt. Es ist ebenso bekannt, dass die Montforter dem Jagdvergnügen frönten und dass ihre Untertanen Jagdhunde zu züchten hatten. Da zur Jagd in der Regel Bracken verwendet wurden, scheint die Übernahme des springenden Bracken in das Stadtsiegel nicht abwegig. Stellt man diesen Bezug allerdings in Frage, hätte die Montfortstadt Tettnang als bedeutende Kommune innerhalb der früheren Grafschaft keinen heraldischen Hinweis auf das ehemalige Herrscherhaus in ihrem Wappen.
Ein anderer Deutungsversuch bezieht sich auf das Wappen der Adelsfamilie von Arnsperg, die in Tettnang mehrere Hofbeamte gestellt hat. Auch sie führte einen Hund in ihrem Wappen. Doch diese These muss ebenfalls angezweifelt werden. Und wo schlüssige Beweise fehlen, beginnt bekanntlich das Reich der Fantasie und Dichtung. So entstanden zahlreiche Sagen und Geschichten, wie die von dem treuen Hund, der seinen Herrn, einen Grafen von Montfort, aus einer lebensbedrohlichen Situation errettete.
Wie auch immer Tettnang „auf den Hund gekommen“ sein mag, die Stadt besitzt ein schönes, einprägsames und heraldisch einwandfreies Wappen, das auf eine über 600-jährige Tradition verweisen kann.
Reitersiegel Grafen Montfort
(Abb. 8)
Abbildungen

Abb. 1: Das Wappen der Stadt Tettnang
Abb. 2: Der älteste Siegelabdruck von 1409
Abb. 3: Stadtwappen auf einer kolorierten Gemarkungskarte von Tettnang von 1779
Abb. 4: Tettnanger Stadtsiegel aus dem 18. Jh.
Abb. 5: Stempel des Stadtschultheißenamtes aus dem 19. Jh.
Abb. 6: Eine falsche Wappendarstellung
Abb. 7: Die Wappenvorlage des Heraldikers Otto Hupp 1928
Abb. 8: Das Reitersiegel von Graf Hugo II. von Montfort von 1255

Fundorte (Auswahl):

Städtische Publikationen, Dokumente, Schriften, Siegel etc.
Städtische Fahrzeuge
Montfortplatz, Pflasterbild
Uhlandschule, Wappenrelief
Torschlossgebäude, Wandbild zum Bärenplatz
Montfortstraße Nr. 33, Wappenrelief
Informationstafeln an historischen Gebäuden
Vereinsfahnen

Ein anderer Deutungsversuch bezieht sich auf das Wappen der Adelsfamilie von Arnsperg, die in Tettnang mehrere Hofbeamte gestellt hat. Auch sie führte einen Hund in ihrem Wappen. Doch diese These muss ebenfalls angezweifelt werden. Und wo schlüssige Beweise fehlen, beginnt bekanntlich das Reich der Fantasie und Dichtung. So entstanden zahlreiche Sagen und Geschichten, wie die von dem treuen Hund, der seinen Herrn, einen Grafen von Montfort, aus einer lebensbedrohlichen Situation errettete.
Wie auch immer Tettnang „auf den Hund gekommen“ sein mag, die Stadt besitzt ein schönes, einprägsames und heraldisch einwandfreies Wappen, das auf eine über 600-jährige Tradition verweisen kann.

Ausgabe 100 – September 2022

Ausgabe 100 – September 2022

  • Auf den Spuren der Römer am Heiligenhof: eine Lehrgrabung der Uni Bamberg
  • 900 Jahre Ritter-Arnold-Stiftung: Arnold von Hiltensweiler und das ehemalige Kloster Langnau
  • Währungsgeschichte der Deutschen Mark: Weimarer Republik 1919-1933 und NS-Regime 1933-1945
  • Mein Schulweg durch die Kirchstraße: Erinnerungen von Hans Forster an Tettnang in den 1950er Jahren
  • „Daheim gab es keine ungestörte Weihnacht“: die Mesnerdynastie Müller und Dimmler
  • 100 Ausgaben, 900 Seiten: seit 25 Jahren gibt es den FH-Kurier
  • Historische Tettnager Fahnen: Veteranen- und Kriegerverein Obereisenbach
  • FH-intern: Besichtigung „Schweizerhaus“. Homepage des Förderkreises mit neuem Gesicht. ErsteTettnanger Vereinsbörse ein Erfolg.
Ausgabe 99 – Juni 2022

Ausgabe 99 – Juni 2022

  • Das Café Bärwigg: über Jahrzehnte eine Tettnanger Institution
  • Währungsgeschichte der Deutschen Mark: die Mark im deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918
  • Des Rätsels Lösung um eine Vielzahl motivgleicher Bilder: der Kreuzwegzyklus in der Pfarrkirche St. Gallus
  • „Meine Schuljahre in Tettnang“: neues Buch von Hans Forster
  • Patrick Wiesenbacher ist der neue Stadtarchivar
  • Historischer Grenzstein zwischen Rudenweiler und Siberatsweiler endlich restauriert und gesichert
  • FH-intern: Dank an scheidende Vorstandsmitglieder