Wappen der Grafen von Thun und Hohenstein

Wappen der Grafen von Thun und Hohenstein

Wappen der Grafen von Thun und Hohenstein

Das Geschlecht der Herren von Thun zählt zum Tiroler Uradel und tritt mit Bertholdus de Tonno 1145 erstmal ins Licht der Geschichte. Seit Manfredinus de Tunno (1187) beginnt die urkundlich nachweisbare Stammreihe. Mitte des 16. Jh. teilt sich das Haus in die beiden Linien Castell Thun und Castell Brughier. Seit 1558 bekleiden die Herren von Thun das Erbschenkenamt im Bistum Brixen. 1604 erwerben sie in Prag den Reichsfreiherrenstand und das Wappen der 1497 erloschenen Familie von Caldes. Sie erhalten die böhmische Herrschaft Tetschen und durch Verpfändung die niedersächsische Grafschaft und den Namen Hohenstein. Die Linie Castell Thun und Hohenstein erlangt 1629 den Reichsgrafentitel, die Linie Castell Brughier zwei Jahre später den böhmischen Grafenstand. Im Jahre 1911 werden die Grafen von Thun und Hohenstein in den österreichischen Fürstenstand erhoben und erhalten das Prädikat ‚Durchlaucht‘.

Aus dem Hause Thun und Hohenstein sind eine Reihe bedeutender Bischöfe hervor- gegangen: Guidobald (1654-68) und Johann Ernst (1687-1709) von Salzburg; Sigmund Alphons († 1677) von Brixen; Wenzlaw (1664-73), Joseph Maria (1761-63), Thomas Kaspar (1795-96) und Leopold (1796-1803) von Passau, sowie Peter Michael († 1800) von Trient. Verschiedene Familienmitglieder bekleideten im 19. Jahrhundert hohe Ämter in der k.u.k. Monarchie. Das weitverzweigte Grafenhaus blüht noch heute.

der Grafen und Fürsten von Thun und Hohenstein
(Abb. 1)

Das heutige Wappen der Grafen von Thun und Hohenstein (Abb. 1) ist geviert und belegt mit einem roten Herzschild, darin ein silberner Balken (von Caldes). Das 1. und 4. Feld ist Blau mit einem goldenen Schrägbalken (Stammwappen von Thun, Abb. 2). Das 2. und 3. Feld ist gespalten: vorne in Silber ein halber roter Adler am Spalt, hinten in Schwarz ein silberner Balken (von Königsberg). Die drei gekrönten Helme zeigen in der Mitte ein wachsendes rotes Einhorn mit silbernem Balken, Helmdecke Rot-Silber (von Caldes); vorne zwei mit gespiegelten Schildbildern von Thun belegte Büffelhörner, Helmdecke Blau-Gold; hinten Flügel mit Schildbild von Königsberg, Helmdecke vorne Rot-Silber, hinten Schwarz-Silber.
Die Wappenvereinigung von Thun/von Königsberg wurde am 22. Mai 1516 genehmigt (Abb. 3), die mit von Caldes am 9. März 1604.

Graf Anton III. von Montfort heiratete 1693 Maria Anna Leopoldine von Thun und Hohenstein. 1694 erwarb er den Oberhof bei Tettnang, den er als Privatbesitz seiner Gemahlin Maria Anna übergab. Sie ließ das Hauptgebäude neu errichten und über dem Eingang das Allianzwappen Montfort/Thun als Reliefbild anbringen (Abb. 4). Der Hof und die Nebengebäude wurden Anfang der 1970er abgerissen. Der Wappenstein befindet sich heute im Durchgang des Torschlosses in Tettnang.

Stammwappen der Herren von Thun
(Abb. 2)
(Abb. 3)
(Abb. 4)
(Abb. 5)

Abbildungen

  • Abb. 1: Wappen der Grafen und Fürsten von Thun und Hohenstein seit 1605
  • Abb. 2: Stammwappen der Herren von Thun
  • Abb. 3: Wappen der Grafen von Thun und Hohenstein zwischen 1616 und 1605
  • Abb. 4: Wappenstein vom ehemaligen Oberhof mit dem Allianzwappen Montfort/Thun
  • Abb. 5: Geschnitzte Wappenscheibe im Neuen Schloss Tettnang mit dem Allianzwappen Montfort/Thun

Fundorte:

  • Wappenstein im Durchgang des Torschlosses in Tettnang
  • Wappenscheibe im Neuen Schloss Tettnang
Wappen der Grafen von Königsegg

Wappen der Grafen von Königsegg

Wappen der Grafen von Königsegg

Das schwäbische Geschlecht der Herren von Königsegg verehrte Berthold I. von Fronhofen (um 1200) als seinen Stammvater. Bertholds Sohn Eberhard I. erbaute die Burg Königsegg, nach der sich seine Nachfahren seither nannten. Im 13. und 15. Jahrhundert schufen sie ein kleines Territorium um ihre Stammburg, erwarben vor 1381 die Herrschaft Aulendorf und kauften 1565 von den Grafen von Montfort die Herrschaft Rothenfels im Allgäu. 1621 wurden die Brüder Georg II. und Marquard IV. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Georgs Söhne Johann Georg und Hugo waren die Stifter der Linien Aulendorf und Rothenfels. 1629 wurden die Freiherren zu Reichsgrafen ernannt mit Sitz und Stimme im Schwäbischen Reichsgrafenkollegium und beim Schwäbischen Kreis. Franz Filius Anton aus der Linie Rothenfels tauschte 1804 seine Grafschaft mit dem Hause Österreich gegen Besitzungen in Ungarn. Die Reichsgrafschaft Königsegg kam 1806 mit der Herrschaft Aulendorf im Zuge der Mediatisierung unter württembergische Landeshoheit. Während die Linie Rothenfels im 19. Jahrhundert ausstarb, blüht die Linie Königsegg-Aulendorf noch heute.

Die gräflichen Häusern » Montfort und Königsegg waren durch mehrere Eheschließungen verwandtschaftlich miteinander verbunden.

  • Johann Jakob, Freiherr von Königsegg († 1567) war verheiratet mit Elisabeth, Tochter des Grafen Hugo XIV. von Montfort-Rothenfels († 1564).
  • Maria Anna Eusebia († 1656), die Tochter des Grafen Johann Wilhelm von Königsegg war die erste Gemahlin des Grafen Johann X. (VIII.) von Montfort-Tettnang († 1686).
  • Anton Eusebius, Graf von Königsegg-Aulendorf (†1692) war mit Maria Anna Katharina († 1686), der Tochter des Grafen Johann X (VIII.) von Montfort-Tettnang († 1686) verheiratet.
  • Maria Josepha († 1753), die Tochter des Grafen Karl Seyfried Eusebius von Königsegg-Aulendorf war die 1. Gemahlin von Franz Xaver, dem letzten regierenden Grafen von Montfort († 1780).
Wappen
Wappen der Grafen von Königsegg

(Abb. 1)

Schon ein Siegel der Herren von Königsegg aus dem Jahr 1266 zeigt den gerauteten Schild. Dieses Wappenbild hat sich über Jahrhunderte bis heute nicht geändert. Es zeigt einen von Gold und Rot schräglinks gerauteten Schild und auf dem gekrönten Helm anfangs fünf, heute sieben rote Straußenfedern. Die Helmdecke ist Rot und Gold (Abb. 1).

Johann X. (nach anderer Zählweise der VIII.) von Montfort heiratete 1655 Maria Eusebia von Königsegg-Aulendorf und nach ihrem Tod (1656) nahm er 1658 Maria Katharina, die Tochter des Landgrafen im Klettgau, Karl Ludwig von » Sulz, zur Frau. 1667 ließ er als neue Residenz das sogenannte Alte Schloss, das heutige Rathaus von » Tettnang errichten und über dem Portal drei hochovale Wappen in gerollten Kartuschen anbringen: in der Mitte unter einer Krone das Wappen der Grafen von Montfort, links das Wappen der Grafen von Königsegg und rechts das der Grafen von Sulz (Abb. 2). Das Allianzwappen weist allerdings zwei kleine Fehler auf. Zum einen muss die Farbe der Rauten im Königsegger Schild neben rot golden (oder gelb) sein. Zum anderen gehört der goldene Schildbord nicht in das Wappen von Brandis.

 

Abbildungen

  • Abb. 1: Das Wappen der Grafen von Königsegg
  • Abb. 2: Wappenrelief über dem Eingang zum Rathaus in Tettnang (Altes Schloss) mit dem Wappen des Grafen Johann X. (VIII.) von Montfort in der Mitte und den Wappen seiner beiden Ehefrauen Maria Anna Eusebia von Königsegg (links) und Maria Anna Katharina von Sulz (rechts)

Fundort:

  • Allianzwappen über dem Rathaus-Portal (Altes Schloss)
Wappenrelief über dem Eingang zum Rathaus in Tettn
(Abb. 2)
Wappen der Grafen von Sulz

Wappen der Grafen von Sulz

Wappen der Grafen von Sulz

Die Grafen von Sulz stammten aus der namengebenden Stadt Sulz am Neckar und treten mit Graf Alwig 1095 erstmals ins Licht der Geschichte. Durch Heirat erwarben sie 1408 den Klettgau und machten Tiengen am Hochrhein zu ihrer Residenzstadt. Graf Alwig V. († 1493) war mit Verena von Brandis verheiratet. Die Freiherren von Brandis mit ihrer Stammburg bei Lützelflüh (Kanton Bern) zählten zu den bedeutenden Geschlechtern der deutschen Schweiz und brachten Bischöfe zu Konstanz und Chur sowie Äbte zu Reichenau und Einsiedeln hervor. Als mit Verenas Bruder Sigismund das Haus Brandis ohne Nachkommen erlosch, erbte Alwigs Sohn Rudolf V. im Jahre 1507 die Herrschaften Vaduz und Blumenegg. Seine Urenkel stifteten 1572 die beiden Linien Vaduz und Klettgau, die jedoch bereits 1617 bzw. 1687 im Mannesstamm erloschen.

Wappen der Grafen von Sulz
(Abb. 1)
Das Stammwappen der Grafen von Sulz zeigt im silbernen Schild drei aufsteigende rote Spitzen. Auf dem gekrönten Helm ragt ein Bischofshut mit dem Schildbild. Die Helmdecke ist Silber-Rot (Abb. 1).

Die Freiherren von Brandis führten ein so genanntes „redendes“ Wappen mit einem schwarzen, rot brennenden Ast im silbernen Schild. Aus dem gekrönten Helm mit schwarz-silberner Decke wächst ein schwarzer Ast mit rotem Brand (Abb. 2)

Mit den Herrschaften Vaduz und Blumenegg erbten die Grafen von Sulz auch das Wappen der Herren von Brandis und vereinten dieses mit ihrem Stammwappen in einem gevierten Schild, indem jedes der Stammwappen zweimal erscheint (Abb. 3).

Johann X. (nach anderer Zählweise der VIII.) von » Montfort heiratete 1655 Maria Eusebia von » Königsegg-Aulendorf, die bereits 1656 starb. 1658 verehelichte er sich mit Maria Katharina, der Tochter des Landgrafen im Klettgau, Karl Ludwig von Sulz. 1667 ließ er als neue Residenz das sogenannte Alte Schloss, das heutige Rathaus von Tettnang errichten und über dem Portal drei hochovale Wappen in gerollten Kartuschen anbringen: in der Mitte unter einer Krone das Wappen der Grafen von Montfort, links das Wappen der Grafen von Königsegg und rechts das der Grafen von Sulz (Abb. 4). Das Allianzwappen weist allerdings zwei kleine Fehler auf. Zum einen muss die Farbe der Rauten im Königsegger Schild neben rot golden (oder gelb) sein. Zum anderen gehört der goldene Schildbord nicht in das Wappen von Brandis.

weitere Details folgen in Kürze…

weitere Details folgen in Kürze…

(Abb. 2)

(Abb. 3)

(Abb. 4)

Abbildungen

  • Abb. 1: Das Wappen der Grafen von Sulz
  • Abb. 2: Das Wappen der Freiherren von Brandis
  • Abb. 3: Das Wappen der Grafen von Sulz von 1507 bis zum Erlöschen des Geschlechts im Jahre 1687
  • Abb. 4: Wappenrelief über dem Eingang zum Rathaus in Tettnang (Altes Schloss) mit dem Wappen des Grafen Johann X. (VIII.) von Montfort in der Mitte und den Wappen seiner beiden Ehefrauen Maria Anna Eusebia von Königsegg (links) und Maria Anna Katharina von Sulz (rechts)

Fundort:

  • Allianzwappen über dem Rathaus-Portal (Altes Schloss)
Vollwappen des Hauses Oettingen

Vollwappen des Hauses Oettingen

Wappen der Grafen von Oettingen

Das schwäbisch-fränkische Adelsgeschlecht der Grafen und heutigen Fürsten von Oettingen gehört zu den ältesten Adelsfamilien in Deutschland. Bereits 1147 führte Ludovicus de Oettingen den Grafentitel. Das Geschlecht zählte zu den größten Territorialherren im ostschwäbischen Raum um die freie Reichsstadt Nördlingen. 1522 spaltete sich das Haus in eine evangelische Linie (zu Oettingen), die seit 1731 ausgestorben ist, und die katholische Linie zu Wallerstein, die 1774 in den Fürstenstand erhoben wurde. Nach über dreißig Generationen ist heute Schloss Wallerstein Residenz des fürstlichen Hauses und der Sitz einer Unternehmensgruppe mit den Sparten Forst, Brauhaus und Immobilien.

Vollwappen des Hauses Oettingen
(Abb. 1)

Das Wappen der Herren von Oettingen ist eines der ältesten in Deutschland und eines der wenigen, das über alle Jahrhunderte bis auf unbedeutende Details unverändert von der Familie geführt wurde. Bereits ein Siegel aus der Zeit um 1180 zeigt die typischen Merkmale des Wappenbildes, das wie folgt beschrieben wird: In vier Reihen geteilt mit stehenden roten und gestürzten goldenen Eisenhüten, darauf ein blauer Herzschild, alles belegt mit einem silbernen Schragen (Andreaskreuz). Auf dem Helm mit rot-goldener Helmdecke ein goldener Brackenrumpf mit rotem Ohr, darauf ein silberner Schragen (Abb. 1).

Graf Ulrich VII. von » Montfort zu Tettnang heiratete 1486 Magdalena, die Tochter von Ludwig XIII. von Oettingen-Wallerstein und seiner Gemahlin Eva, geborene Freifrau von Schwarzenberg. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor, doch starben die zwei Söhne bereits in jungen Jahren und die sieben Töchter waren nicht erbberechtigt. Um das Schicksal des Aussterbens des Hauses Montfort abzuwenden, erhoffte sich das Grafenpaar den Beistand der hl. Anna, stiftete ihr zu Ehren 1513 die Anna-Kapelle in » Tettnang und ließ das Gotteshaus mit den eigenen Wappen und denen der Eltern und Großeltern schmücken. In der Kapelle findet man das Wappen der Grafen von Oettingen mehrmals: an der Stirnwand des Langhauses zum Chor hin rechts, auf einem Schlussstein der Gewölbedecke im Langhaus (Abb. 2), auf einer Netzrippenkonsole im Chor (Abb. 3) und – ziemlich verblasst – an der Stirnseite im Chor. Ein Vollwappen des Hauses Oettingen befindet sich seit 2010 auf einem der reproduzierten Altarflügel im Chor (Abb. 4).

(Abb.2)

(Abb. 3)

(Abb. 4)

Abbildungen

  • Abb. 1: Vollwappen des Hauses Oettingen
  • Abb. 2: Wappen der Grafen von Oettingen auf einem Schlussstein der Gewölbedecke in der Tettnanger St. Anna-Kapelle
  • Abb. 3: Wappen der Grafen von Oettingen auf einer Netzrippenkonsole in St. Anna
  • Abb. 4: Magdalena von Montfort, geborene Gräfin von Oettingen-Wallerstein auf einem Altarflügel aus der St. Anna-Kapelle, gemalt von Bernhard Strigel um 1513

Fundort:

  • St. Anna-Kapelle in Tettnang (mehrere Ausführungen des Wappens)
Wappen des Heilig-Geist-Spitals

Wappen des Heilig-Geist-Spitals

Wappen des Heilig-Geist-Spitals

Das Lindauer Heilig-Geist-Spital, wohl bereits im 11. Jahrhundert entstanden, war ursprünglich Pilgerherberge des adligen Damenstifts, dann Heimstätte für die körperlich und geistig Behinderten und Armen in der freien Reichsstadt. Durch zahlreiche Schenkungen, Stiftungen und Privilegien konnte es eine starke Machtposition innerhalb und territorialen Besitz außerhalb der Stadtmauern aufbauen. 1388 kaufte das Stift das Dorf Laimnau vom Konstanzer Domkapitel und 1405 Burg und Herrschaft Gießen von den Herren von Wolfurt. Im Argental entstand mit dem „spitalischen Niedergericht Gießen und Laimnau“ ein kleines geschlossenes Herrschaftsgebiet inmitten des Hochgerichts der Grafen von Montfort-Tettnang, was über Jahrhunderte zu Streitereien zwischen dem Spital und den Grafen geführt hat.

Das so genannte Doppelkreuz (auch als Patriarchenkreuze bezeichnet) kommt in der Heraldik häufig vor. Es ist meistens das typische Symbol von (Heilig-Geist-)Spitälern. Auch das Lindauer Spital, zu dem bis 1810 der Niedergerichtsbezirk Gießen und Laimnau zählte, hat ein Doppelkreuz in seinem Wappen. Es wird in der Regel schwarz in silbernem Feld dargestellt (Abb. 1).

Im Argental und in den umliegenden Feldern und Wäldern ist das Doppelkreuz des Spitals häufig – meist sehr versteckt – noch auf alten Grenzsteinen, aber auch vereinzelt an Häusern zu finden. Dieses Wappen darf allerdings nicht mit dem Dreifachkreuz des Klosters Langnau verwechselt werden.

Wappen des Heilig-Geist-Spitals
(Abb. 1)

(Abb. 2)

(Abb. 3)

(Abb. 4)

(Abb. 5)

Abbildungen

  • Abb. 1: Das Wappen des Heilig-Geist-Spitals in Lindau
  • Abb. 2: Grenzstein bei Gitzensteig mit dem spitalischen Doppelkreuz
  • Abb. 3: Wappenrelief am Lindauer Spital
  • Abb. 4: Grenzstein an einem Bauernhof bei Summerau
  • Abb. 5: Wappen am Haus Nr. 1 in Unterwolfertsweiler

Fundorte:

  • Grenzsteine an der früheren Niedergerichtsgrenze Montfort/Spital Lindau
  • Unterwolfertsweiler, Haus Nr. 1
Wappen des Klosters Langnau

Wappen des Klosters Langnau

Wappen des Klosters Langnau

1405 übergab Graf Heinrich III. von » Montfort das vom Kloster Allerheiligen in Schaffhausen gekaufte Kloster Langnau mit allen Gütern dem Paulinerorden und bestellte es zur Begräbnisstätte des gräflichen Hauses zu » Tettnang. Mit der Grafschaft gelangte 1780 auch das Kloster unter österreichische Herrschaft. Als Kaiser Joseph II. alle Paulinerklöster 1786 auflöste, kam auch das Ende des Klosters Langnau.

Ebenso wie andere Klöster und Probsteien führte auch das Kloster Langnau ein eigenes Wappen. Es zeigt ein dreifaches Kreuz, bei dem der obere und der untere Querbalken kürzer sind als der mittlere. Obwohl es einige zeitgenössische Wappenabbildungen gibt, ist die Frage offen, welche Farben das Wappen tatsächlich hatte. Das Dreifachkreuz ist in den Farben Schwarz, Rot oder Gold überliefert, der Hintergrund ist golden (gelb) oder silbern (weiß). Das Wappen wurde wie die meisten kirchlichen Wappen in einem hochovalen Wappenschild dargestellt (Abb. 1). In der Pfarrkirche Hiltensweiler findet man zweimal das Wappen mit grünem Kreuz auf goldenem (gelbem) Grund (Abb. 2). Allerdings sind diese Zeichnungen erst nach der Auflösung des Klosters entstanden und Zweifel an der Korrektheit dieser Farbgebung sind berechtigt. In den Farben der katholischen Kirche Gold und Silber (wie die Farben des Vatikans und des sog. Jerusalemkreuzes) zeigt sich das Langnauer Klosterwappen auf einem Ölgemälde im Tettnanger Montfort-Museum aus dem Jahre 1736 (Abb. 3) und auf einem Grenzstein, der heute in der Giebelwand des Hotels „Rad“ in Tettnang eingelassen ist (Abb. 4).

Wappen des Klosters Langnau
(Abb. 1)

(Abb. 2)

(Abb. 3)

(Abb. 4)

Wandbemalungen am und im ehemaligen Kellhof des Klosters in Rappertsweiler (Haus Nr. 8) aus dem Jahre 1643 zeigen wiederum ein rotes Dreifachkreuz auf silbernem (weißem) Grund (Abb. 5 und 6). Es gibt auch ein Beispiel für die Verwendung des Langnauer Klosterwappens in der modernen kommunalen Heraldik: Die Ortschaft Niederstaufen, heute Teil von Sigmarszell im Landkreis Lindau, führt u. a. das Dreifachkreuz in ihren Wappen als Hinweis auf die früheren Besitzungen des Klosters in der ehemals selbständigen Gemeinde (Abb. 7).

Vor allem aber geben Herkunft und Bedeutung des seltenen Wappenbildes einige Rätsel auf. Ein spezielles Symbol des Paulinerorden ist es nicht. In der kirchlichen Heraldik kommen Dreifachkreuze zwar zuweilen vor, doch bei diesen „Papstkreuz“ genannten Symbolen werden die Querbalken stets nach unten hin breiter. Hin und wieder trifft man in der Klosterheraldik tatsächlich auf Dreifachkreuze in der Langnauer Form (Kloster Heilig-Kreuz in Regensburg), doch eine schlüssige Sinngebung für diese Art der Darstellung wurde bisher noch nicht gefunden.

Wandbemalung am ehemaligen Kellhof in Rappertsweil
(Abb. 5)

(Abb. 6)

(Abb. 7)

(Abb. 8)

Abbildungen

  • Abb. 1: Das Wappen des Klosters Langnau. Die Farben sind nicht eindeutig belegt
  • Abb. 2: Klosterwappen an der Langhausdecke in der Pfarrkirche St. Dionysius Hiltensweiler
  • Abb. 3: Wappen auf einem Ölgemälde im Montfort-Museum mit historischen Daten des Klosters Langnau aus dem Jahre 1736
  • Abb. 4: Eingemauerter Grenzstein in der Giebelwand des Tettnanger Hotels Rad zum Bärenplatz hin mit den Wappen der Grafen von Montfort (Hochgerichtsherren) und des Klosters Langnau (Niedergericht)
  • Abb. 5 und 6: Wandbemalung am ehemaligen Kellhof des Klosters in Rappertsweiler (Haus Nr. 8) aus dem Jahre 1643 mit Montfort- und Klosterwappen
  • Abb. 7: Wappen der Ortschaft Niederstaufen, Gde. Sigmarszell, Lkr. Lindau
  • Abb. 8: Wappenstein vom Kloster Langnau, vermutlich von einem Klosterportal (heute im Grenzsteinmuseum Ostrach)

Fundorte:

  • Pfarrkirche St. Dionysius Hiltensweiler
  • Ölgemälde im Montfort-Museum Tettnang
  • Grenzstein in der Giebelwand des Tettnanger Hotels Rad
  • ehemaliger Kellhof des Klosters in Rappertsweiler
  • Wappenstein im Grenzsteinmuseum Ostrach